Montag, 24. November 2014

Ein politisch denkender Mensch

Hast Du eigentlich schon einmal darüber nachgedacht, was das für Menschen sind, die politisch denken können und das auch tun?

Zugegeben. Viele Leute sagen, dass es doch überhaupt keinen Zweck habe, sich mit politischen Dingen zu befassen. Die Oberen machen es doch sowieso, wie sie es brauchen.

Andere Leute verzweifeln an ihren eigenen Gedanken. Sie möchten die Welt retten, was ihnen aber nicht gelingt. Das Ergebnis ist Enttäuschung, Verzweiflung oder Depression. Auch Extremismus gedeiht auf einem solchen Boden, des sich unverstanden Fühlens.

Nun ist es wahrhaftig nicht leicht, die Machtspiele der heutigen Politik zu durchschauen. Man muss regelrecht vorsichtig sein, das zu glauben, was einem gesagt oder auch vorgespielt wird. Doch auch das ist lange kein Grund, nicht mehr denken zu wollen oder denken zu können.

Erinnern wir uns einfach einmal an die Ideale, die mit der politischen Wende in Ostdeutschland verbunden waren. Da ging es um einen mündigen Bürger, um die Freiheit der Andersdenkenden, um die Mitsprache bei allen politischen Angelegenheiten, wenn wir an die „runden Tische“ denken und an die sich damit entwickelnde Kultur der politischen Meinungsbildung.

Obwohl der Mauerfall, der als Begriff schon wieder eine Eingrenzung des politischen Denkens symbolisiert, in den letzten Wochen reichlich gefeiert worden ist, blieb von den damit verbundenen Idealen nicht mehr allzu viel übrig.

Wenn ein Wolf Biermann vor dem deutschen Bundestag die demokratisch gewählte linke Fraktion als einen “elenden Rest dessen, was bereits überwunden geglaubt war“ bezeichnen konnte, könnte man vielleicht Mitleid mit ihm haben, weil er seine verbitterte Seele immer noch nicht reinigen konnte durch Vergebung und durch Liebe. Wenn ein solches antidemokratisches Verhalten jedoch noch Beifall bekommt von der Regierungsbank, wie z.B. durch die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, dann darf man schon zweifeln, mit welchen Menschen und welcher politischen Konstellation man es zu tun hat. Da ist dann von Demokratie wahrlich nicht mehr viel übrig...

Auch ist es ja heutzutage fast schon anzüglich geworden, wenn man zu den Verhältnissen in der Ukraine eine kritische Meinung hat. Schnell wird man in eine prorussische Ecke gestellt. Doch haben wir nicht Meinungsfreiheit in unserem Land? Offensichtlich ist es damit auch nicht mehr so weit her.

Das musste auch Matthias Platzeck, als ein anerkannte und erfahrener Sozialdemokrat erfahren. Er hat eigene Gedanken geäußert, die über die im Koalitionsvertrag mit der CDU/CSU vereinbarte proamerikanische Linie hinausgingen. Und er wurde heftig „zurückgepfiffen“. Doch Gedanken sind bekanntlich frei. Sie haben sich längst im Land verbreitet und das scheint gefährlich zu werden für so manchen Regierenden.

Nun ist auch noch Außenminister Steinmeier bei der Kanzlerin in Ungnade gefallen, weil er sich mit dem russischen Präsident Putin außer der Reihe zu einem Vieraugengespräch getroffen hat und begann, versönlichere Töne zu Russland anzuschlagen. Das alles ist offensichtlich nicht gewünscht.

Internetblogs werden durch den Verfassungsschutz überwacht, also nicht nur durch die NSA...
So äußerte sich der Chef des deutschen Verfassungsschutzes Herr Maaßen: „In Teilen bemerken wir in Internetblogs oder Foren, dass in deutscher Sprache äußerst prorussische Positionen gepostet werden. Hier stellen wir uns die Frage, wer dahintersteckt...“

Heute sende ich einen lieben Gruß an den Chef des deutschen Verfassungsschutzes, den Herrn Maaßen. Vielleicht werden Sie ja auch meinen Blog überwachen, da ich hin und wieder ja auch prorussische Positionen vertrete. Doch keine Sorge, eine Unterstützung eines russischen Geheimdienstes benötige ich nicht. Bei mir ist das eher der klare Menschenverstand, der besorgt ist um die angespannte Entwicklung in Europa am Rande eines Krieges.

Die staatlich gesteuerten Medien werden immer unglaubwürdiger mit ihrer lückenhaften und teils verdrehten und verfälschten Berichterstattung, werden durch große Teile der Bevölkerung nicht mehr ernst genommen. Ist allein nicht das schon ein schwer wieder gut zumachender Angriff gegen unsere eigene demokratische Rechtsordnung, wenn immer mehr Menschen das Gefühl bekommen, dass ihre Meinung nicht ernst genommen wird und sie Vertrauen verlieren zur ihrer gewählten politischen Führung?

Es ist also etwas Bewegung gekommen in der deutschen öffentlichen Meinung und es taucht immer wieder die Frage auf, was es denn bedeute, Schaden vom deutschen Volke abzuwenden, wie es eigentlich durch die Kanzlerin und die Mitglieder der deutschen Regierung geschworen wurde.

Was heisst das alles nun für einen politisch denkenden, aktiv im Leben stehenden Menschen? Wie soll man durchblicken durch diesen Wirrwarr verschiedener Meinungen, Meldungen und politischer Aktivitäten?

Das Schlüsselwort dazu lautet INTERESSEN !!! Versucht die Interessen zu erkennen, die hinter den Aktionen stehen, die politischen und die ökonomischen und die geostrategischen...

Man sollte sich hineinversetzen können, in die verschiedenen, sich teils unversöhnlich gegenüberstehenden Seiten. Dann wird man die Interessen wahrnehmen können.

Versetze Dich beispielsweise in die Position der Kanzlerin, die nicht nur dem deutschen Wähler sondern auch dem transatlantischen Bündnis die Treue geschworen hat, dann wirst Du verstehen, warum sie gerade so handelt, wie sie handelt.

Versetze Dich in die Rolle von Präsident Obama, dem das Wasser innenpolitisch bis zum Halse steht. Dann wirst Du seinen Kurs des Weltherrschaftsanspruches verstehen.

Versetze Dich in die Rolle des Präsidenten Putin. Dann wirst Du verstehen, dass er weder eine Aufweichung des russischen Staates von innen her, wie beispielsweise durch ungezählte nichtstaatliche, vom Westen bezahlte Organisationen, dulden kann und auch dem Vorrücken der NATO-Basen unmittelbar an die russische Grenze nicht tatenlos zusehen kann, wodurch jegliche Vorwarnzeit für strategische Raketenschläge des westlichen Bündnisses entfallen würde.

Und schließlich versetze Dich wieder in Deine eigene Lage. Versuche Deine eigenen Interessen wahrzunehmen und die Deiner Familie. Dann wirst Du vielleicht erkennen, dass man heutzutage durchaus auch politisch denken sollte, wenn man nicht einfach mit der Schafherde mitlaufen möchte, die durch unser Land getrieben wird.

Vielleicht sind meine etwas ketzerischen Gedanken eine Anregung für Dich, einmal über solche Fragen nachzudenken und aufgeweckter als bisher, jene Ereignisse zu verfolgen, die uns gemeinsam umgeben.

Ich wünsche Dir einen klaren Blick dafür und dass Du an dem Ort, wo Du bist mit dem, was Du hast, das tust was Du kannst, zu unser aller Wohle.

Liebe Grüße
Euer Hans

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